Beispielflugablauf

Wie verläuft ein Gyrocopterflug eigentlich?

Hier schildere ich Ihnen einmal einen "normalen" Flugablauf :

Zu Beginn eines jeden fliegerischen Tages wird zuerst der Tragschrauber mittels einer Checkliste durchgeprüft. Unter Anderem werden Ölstände, wie auch Kühlmittelstände gecheckt, ebenso wie alle Verschraubungen und der Zustand aller Schweißstellen. Natürlich erfolgt gegebenenfalls auch eine, der geplanten Flugzeit angemessene, Betankung.

Nachdem beide Piloten im Tragschrauber Platz genommen und ihren Intercom-Funkhelm angeschlossen haben findet ein 7-Punktecheck statt:

1. Helmschloss geschlossen?
2. Gurte geschlossen?
3. Platzhöhe im Höhenmesser korrekt eingestellt?
4. Gashebel auf Leerlauf gestellt?
5. Bremse gesetzt?
6. Propeller frei und Rotor frei?
7. Erst dann werden beide Zündungskreise eingeschaltet und der Motor eventuell mittels Choke gestartet.
Sofort wird überwacht, ob die Ölanzeige einen vernünftigen Wert anzeigt.

Nun ist es endlich Zeit über Funk eine Startinfo einzuholen, die folgendermaßen lauten könnte:

Pilot --- "Hartenholm Info, Delta - Mike Tango Romeo November."
Flugleiter --- "Delta - Mike Tango Romeo November. Guten Morgen!"
Pilot --- "Delta - Mike Tango Romeo November. Guten Morgen. Befinde mich auf dem Vorfeld beim Cafe. Erbitte Startinfo für Gyrocopterrundflug."
Flugleiter --- "Delta - Romeo November, Piste 23 in Betrieb, rollen Sie zum Rollhalt Charlie Piste 23. Melden Sie Abflugbereitschaft!"
Pilot --- "Delta - Romeo November, rolle zum Rollhalt Charlie Piste 23. Melde Abflugbereitschaft!"

Auf Infoflugplätzen ist vorwiegend ein eigenverantwortliches Handeln in den Grenzen der Regeln durchzuführen. Es schadet jedoch nie, mit der Flugleitung genaue Infos auszutauschen, wozu auch das Flugziel gehört, da so - im Falle von "Zwischenfällen" - eine Suche erleichtert wird.

Am Rollhalt Charlie angekommen wird zuerst ein Check der beiden Zündungskreise vorgenommen:
Im Gegensatz zum Auto besitzt ein Fluggerät einen zusätzlichen Zündkreis, damit eine höhere Sicherheit erreicht wird; denn sollte einer der Zündkreise ausfallen, so reicht der verbliebene Zündkreis aus, um weiter zu fliegen. In der Luft ist es halt schwierig an den Straßenrand zu fahren und unter die Motorhaube zu schauen.
Zuerst wird die Motorumdrehung auf 3000 U/min erhöht, hernach der
1. Zündkreis ausgeschaltet. Die Motordrehzahl senkt sich im Normalfall um 500 U/min. Nach dem Einschalten des 1. Zündkreises verfähr man nun mit dem Zweiten ebenso.
Sofern nun alles in Ordnung ist meldet man sich erneut bei der Flugleitung:

Pilot --- "Delta - Romeo November abflugbereit Rollhalt Charlie Piste 23!"
Flugleiter --- "Delta - Romeo November. Start nach eigenem Ermessen."
Pilot --- "Delta - Romeo November. Starte nach eigenem Ermessen."

Jetzt sollte man den Funk der letzten Minuten gut verfolgt haben, um einschätzen zu können, ob sich möglicherweise ein Flugzeug im Anflug befindet. Zudem kontrolliert man optisch, ob sich Jemand der Landebahn nähert.

Alles ist in Ordnung? Gut! Nun wird auf die Startbahn gerollt, gestoppt und die Motordrehzahl auf etwa 1800-2000 U/min mit dem Gashebel eingeregelt. Bisher hatte der "Stick", der der Kontrolle der Flugrichtung dient, seine "Ruhe"-Stellung vorne rechts zwischen den Knien. Jetzt ist seine Stunde gekommen: Am Griff, zentral oben und im Blickfeld, befindet sich ein kleiner Knopf, der nach Lösen der Flightbrake gedrückt gehalten wird, um mit Hilfe einer Antriebswelle - vom Motor zum Rotorkopf - die Kraft des Motors einzusetzten, damit der Rotor vorrotiert (Prerotation). Hierbei befindet sich der "Stick" mittig vorn.
Bei ca. 200-220 U/min heißt es: Prerotation ausgekuppelt, "Stick" an den Bauch ziehen, Bremse loslassen, langsam anrollen.
Sobald durch den Fahrtwind 250 U/min Rotation erreicht sind, beginnt der Tragschrauber mir der Nase in den Himmel abzuheben.
Jetzt wird Vollgas gegeben und mittels "Stick" leicht "angedrückt", d.h. das der Gyrocopter parallel zum Boden in der Luft gehalten wird, bis man 90-100 km/h schnell ist. Erst beim Erreichen dieser Sicherheitsgeschwindigkeit beginnt das vollständige Wegsteigen vom Boden mit 90-100 km/h. Währenddessen hat sich eine Rotorgeschwindigkeit von um die 400 U/min eingestellt.
Nach Erreichen der Reisehöhe wird auf die verschiedenen Sehenswürdigkeiten Kurs genommen. Natürlich modern mit einem Navigationsgerät und zudem immer über Kompass und Luftfahrtkarte.

Nach fast einer Stunde nähern wir uns wieder, vom Abenteuer begeistert, dem heimatlichen Flugfeld.

Pflichtbewust melden wir uns an:
Pilot --- "Hartenholm Info, Delta - Mike Tango Romeo November."
Flugleiter --- "Delta - Mike Tango Romeo November, Hartenholm Info."
Pilot --- "Delta - Mike Tango Romeo November, Tragschrauber auf Rundflug, 5 min. östlich des Platzes zur Landung."
Flugleiter --- "Delta - Romeo Novenber, Piste 23 in Betrieb, Fallschirmspringer am Platz, QNH 1044, melden sie Queranflug."
Pilot --- "Delta - Romeo November, Piste 23 in Betrieb, Fallschirmspringer am Platz, QNH 1044, melde Queranflug."

In Platzrundenhöhe wird nun in den Gegenanflug (180° zur Landebahn) eingeflogen und alsbald in den Queranflug (90° zur Landebahn):
Pilot --- "Delta - Romeo November kurz quer Piste 23."
Flugleiter --- "Delta - Romeo Novenber kurz quer Piste 23."

Jetzt stehen dem Piloten verschiedene Methoden zur Verfügung u.a.:

Im Queranflug wird das Gas auf Leerlauf zurück genommen, der "Stick" leicht angedrückt, damit eine Geschwindigkeit von 90-110 km/h gehalten wird und man gleitet in einer leichten Kurve auf die Landebahn zu, während man deutlich sinkt. In den letzten 30-40 m fängt man den Tragschrauber durch leichtes Ziehen ab und setzt ihn auf den Punkt ab.

Oder man hält die Platzrundenhöhe, bis im Queranflug die Bahn genau in Schulterhöhe zu finden ist. Zuvor haben wir die Geschwindigkeit massiv reduziert, so dass nun fast auf der Stelle -mit Seitenruder - der Tragschrauber auf die Landebahn eingerichtet werden kann. Jetzt sinkt der Tragschrauber mit Minimalfahrt auf etwa 500 Fuß Höhe, dann drückt man den "Stick" soweit langsam, aber konsequent nach vorn, bis eine Geschwindigkeit von 100 km/h erreicht sind und wiederrum fängt man den Gyrocopter in selbiger Weise, wie oben erwähnt, sanft ab, um ihn auf den Boden sachte abzusetzen.

Auch mit Schleppgas läßt sich der Tragschrauber im flachen Anflug wunderbar landen.

Nach einem herrlichen Flug haben beide Piloten ein breites Grinsen im Gesicht, als sie glücklich Ihre Helme von Kopf ziehen!




 

Flugschule Gyronautix in Saarmund bei Berlin (Thomas Flöter, als Fluglehrer und Prüfer links im Bild)